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  • Ihr habt natürlich beide recht. ( Fantomas & luibo )


    Man kann schon sehr früh mit kleinen Prinzipien anfangen. Das Beispiel von luibo mit den möglichst mindestens zwei Kontakten in der G ist da schon sehr gut. Dazu passt dann vielleicht noch "Alle greifen an und alle verteidigen".

    Wichtig ist aber, dass sich die Anzahl und der Anspruch der Prinzipien an den Fähigkeiten der Spieler orientiert. (Dabei gilt wie bei jedem Trainingsreiz: es darf gerne etwas mehr sein, d.h. eine leichte Überforderung schadet nicht um Reize zur Weiterentwicklung zu setzen.

    Genauso kann ich die Prinzipien innerhalb der Mannschaft differenzieren: Wenn ich 4-5 habe, die einfach weiter sind, bekommen die eben 4-5 zusätzliche Prinzipien vermittelt, sofern das im Mannschaftskonstrukt umzusetzen ist. Die anderen Spieler arbeiten zunächst mit Basic-Prinzipien, die ihrem Stand entsprechen, mit dem Ziel peu á peu weitere "dazuzuverdienen ".

    Vielleicht kann man das didaktisch tatsächlich mit "Levels" oder "Credits" darstellen, und so eine Brücke zwischen der fußballerischen Entwicklung und der virtuellen / digitalen Welt der Kids bauen.

  • Bevor ich von Spielprinizipien oder meiner Spielidee erzähle, muss ich sie aber auch auf das Niveau bringen, damit diese Jungs/Mädels es auch umsetzen können.

    Ich denke das in einer C Jugend schon klar sein kann und m.e. auch muß, welche Spielidee die Mannschaft hat. Damit wird für die Mannschaft ja klar,

    warum ich Prinzipien einsetze, die die Umsetzung der Spielidee einfacher für alle machen.



    Ich habe jetzt erst in der C-Jugend angefangen auch schriftlich mit den Spielern das taktische Grundwissen zu erlernen.
    z.B. Andribbeln und Gegner binden, Coaching im Spiel mit Kommandos wie Dreh und Klatsch usw usw

    Mal auf das Beispiel bezogen, Prinzip könnte sein: Ich passe nur dahin wohin ich sehe.

    Verhindert halt unnötige Ballverluste durch Aufdrehen in den Gegner.

    Ausnahme ist eben wenn jmd. es besser sieht, womit man automatisch bei der Sinnhaftigkeit des Coachings ist.

    Weiteres unterstützendes Prinzip könnte sein: Wir coachen von hinten nach vorne.

    dh. Coaching findet von dem Statt, der den besten überblick hat,

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Wichtig ist aber, dass sich die Anzahl und der Anspruch der Prinzipien an den Fähigkeiten der Spieler orientiert. (Dabei gilt wie bei jedem Trainingsreiz: es darf gerne etwas mehr sein, d.h. eine leichte Überforderung schadet nicht um Reize zur Weiterentwicklung zu setzen.

    Genauso kann ich die Prinzipien innerhalb der Mannschaft differenzieren: Wenn ich 4-5 habe, die einfach weiter sind, bekommen die eben 4-5 zusätzliche Prinzipien vermittelt, sofern das im Mannschaftskonstrukt umzusetzen ist. Die anderen Spieler arbeiten zunächst mit Basic-Prinzipien, die ihrem Stand entsprechen, mit dem Ziel peu á peu weitere "dazuzuverdienen ".

    Vielleicht kann man das didaktisch tatsächlich mit "Levels" oder "Credits" darstellen, und so eine Brücke zwischen der fußballerischen Entwicklung und der virtuellen / digitalen Welt der Kids bauen.

    Hier habe ich ein Verständnisproblem. Sowohl mit Prinzipien die nicht für alle gelten, als auch mit Prinzipien nach einem

    -Belohnungssystem- die zu erarbeiten sind?

    Vielleicht kannst Du das mal an einem Beispiel konkret machen.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Wenn ich mir den Ansatz von Coach1976 ansehe, geht er aus meiner Sicht in die Richtung einer didaktischen Reihe (z.B. von "ich will den Ball" (Kinder: egozentriert/Individualtaktik) zu "wir wollen den Ball" (Jugend: peer group/Gruppen- oder Mannschaftstaktik)) oder hin zu Sub-Prinzipien (z.B. eigener Ballbesitz (suche den Raum) zu eigener Ballbesitz Gegner strukturiert (suche den Raum) und eigener Ballbesitz Gegner unstrukturiert (suche den Raum in Spielrichtung ("erster Blick nach vorne"))).

    Hier stellt sich mir die Frage, ob es 3-4 "Ober"prinzipien gibt, die man unterteilen bzw. spezifizieren kann? (evtl. teilweise auch als Spielvisionen verbreitet?)


    Ich erwische mich immer wieder beim "Prinzipien-Kuddelmuddel" ;) - Spielprinzipien, Trainingsprinzipien, technische Prinzipien - hat das evtl. auch schon jemand für sich strukturiert?


    Ich denke das in einer C Jugend schon klar sein kann und m.e. auch muß, welche Spielidee die Mannschaft hat. Damit wird für die Mannschaft ja klar,

    warum ich Prinzipien einsetze, die die Umsetzung der Spielidee einfacher für alle machen.

    Das ist übrigens der Ausgangspunkt, warum ich den Thread wieder heraus geholt habe. Ich trainiere gerade eine C2-Jugend Breitensport niedriges Niveau und dachte da wie Trainer E . Oftmals scheitert es allerdings schon am Prinzip "alle spielen mit" ("alle greifen gemeinsam an und alle verteidigen gemeinsam"), weil sie das in ihrer Sozialisation nicht gelernt haben (nach dem Motto, wenn der Abwehrspieler den Ball nach vorne schießt ist das Mittelfeld und der Sturm dafür verantwortlich - der Abwehrspieler sollte z.B. ja auch in der F-Jugend hinten bleiben und in der E-Jugend nicht über die Mittellinie).


    Und da dachte ich mir so "Vereins-Spiel-Entwicklungs-Prinzipien", die jeder Trainer unterschreiben kann und aufeinander aufbauen wäre doch etwas Schönes :) - und jetzt sitze vor dem "gordischen Knoten".

  • Das Thema finde ich sehr interessant und ich würde gerne ein oder zwei Punkte hier reinbringen. Ich trainiere eine C-Jugend im Leistungsbereich und habe wie bei let1612 ähnliche Schwierigkeiten zu Beginn festgestellt. Ich weiß nicht in welchem Landesverband du trainierst, aber hier sind wirklich einige Corona-Folgen zu erkennen. Vor allem bei dem aktuellen 07er und 08er Jahrgang fehlt hier schlichtweg die Spiel- und Trainingspraxis mit Gruppentaktischenmitteln. Ich finde sowas sollte man in der Gestaltung der Prinzipien berücksichtigen, da diese sich immer wieder an den Fähigkeiten der Spieler orientieren.

    Jetzt zu den Prinzipien. Prinzipien sind wirklich schwierig zu formulieren, denn sie sollten für alle Spielsituationen gelten ohne dabei die Spieler einzuschränken. Daher sind die DFB-Leitlinien unfassbar allgemein formuliert. Sie können auch enorm Kleinschrittig sein (Unterteilung in Raum und Spielphase). Zudem bilden wir die Spieler aus und sie sind noch nicht so weit wie Profispieler, die sich überwiegend mit Taktik beschäftigen.Daher sollten sie auch allgemein Formuliert sein und wenige reichen meiner Einschätzung nach.

    Ich habe im Sommer für mich all meine Prinzipien definiert, aber meine Spieler nicht mit allen Erschlagen. Ich habe auch darauf geachtet, dass es wirklich allgemeingültig Prinzipien sind. Die Spieler können das Wissen in jeder Grundordnung und in jedem Verein anwenden. Beispielsweise das Prinzip: Mitspieler unter Druck helfen - Mitspieler ohne Druck = Wegbleiben. Das ist ein sehr allgemeines Prinzip, wodran sich jeder Spieler ein wenig orientieren kann (Kommt beim DFB meine ich auch vor). Sagen wir der linke Innenverteidiger ist unter Druck und wir trainieren das Prinzip. Bedeutet es für die ballnahen Spieler rechter Innenverteidiger, linker Verteidiger, Sechser die Passdistanz zu verkürzen und somit gleichzeitig Gegenspieler zu binden. Die Spieler auf der nächsten Ebene, linker Mittelfeldspieler und Zehner, Schnittstellen besetzen und Passdistanz verkürzen und die letzte Ebene können durch tiefe Laufwege unterstützen. Also vieles in einem Prinzip drin mit der simplen Frage, wie kann ich meinem Mitspieler in diesem Moment helfen. Ich denke solche Oberprinzipien sind im Kinderbereich gefragt und dann die Kreativität der Kinder gefragt, um die Prinzipien zu füllen.

  • Beispielsweise das Prinzip: Mitspieler unter Druck helfen - Mitspieler ohne Druck = Wegbleiben. Das ist ein sehr allgemeines Prinzip, wodran sich jeder Spieler ein wenig orientieren kann (Kommt beim DFB meine ich auch vor). Sagen wir der linke Innenverteidiger ist unter Druck und wir trainieren das Prinzip. Bedeutet es für die ballnahen Spieler rechter Innenverteidiger, linker Verteidiger, Sechser die Passdistanz zu verkürzen und somit gleichzeitig Gegenspieler zu binden. Die Spieler auf der nächsten Ebene, linker Mittelfeldspieler und Zehner, Schnittstellen besetzen und Passdistanz verkürzen und die letzte Ebene können durch tiefe Laufwege unterstützen. Also vieles in einem Prinzip drin mit der simplen Frage, wie kann ich meinem Mitspieler in diesem Moment helfen. Ich denke solche Oberprinzipien sind im Kinderbereich gefragt und dann die Kreativität der Kinder gefragt, um die Prinzipien zu füllen.

    Allgemeine Prinzipien brauchen zwingend Unterprinzipien. Das obige Beispiel zeigt ja, wie komplex jede Situation ist. Wir müssen dann schon wieder weitergehen und fragen, welche Unterprinzipien gelten, damit wir dem Mitspieler unter Druck helfen können. Wie bieten wir uns in den Schnittstellen an? Da geht es dann um Abstände zu gegnerischen Verteidigern (gleicher Abstand zu den Verteidigern damit diese Zuordnungsprobleme bekommen), wie weit wird entgegengegangen und in welchem Winkel wird sich positioniert. Das sind jedoch alles Dinge, die die Spieler nicht explizit wissen, aber implizit verstehen müssen. Daher geht es bei solchen tiefergehenden Unterprinzipien auch nicht darum, ob die Spieler diese kennen. Ihr als Trainer müsst Sie kennen und dazu passende Spielformen entwickeln, in denen die Spieler diese implizit vermittelt bekommen. Im Coaching kann man dann die Prinzipien ausdrücklich nutzen: "Wenn Du Dich zwischen den Schnittstellen anbietest, achte darauf, dass Du zu den Gegenspielern in Deiner Nähe den gleichen Abstand hast. Dann wissen Sie nicht, wer Dich übernehmen soll. Oder Du bindest gleich mehrere Verteidiger auf einmal und öffnest Räume für Deine Mitspieler."


    Formuliert für Euch möglichst viele strategisch-taktische Prinzipien, die zu Eurer Vorstellung von Fußball passen. Das kann auch gerne ausufern und ins Detail gehen. Stellt Euch immer die Fragen: Was will ich mit dem Prinzip erreichen? Wie kann ich das Prinzip vermitteln/umsetzen? Dann strukturiert diese Prinzipien in Ober-, Unter-, Unterunterprinzipien, sodass eine Art Stammbaum entsteht. Die Spieler müssen aber nur die Oberprinzipien explizit kennen. Die restlichen Unterprinzipien müssen sie implizit verstehen.

  • Beispielsweise das Prinzip: Mitspieler unter Druck helfen - Mitspieler ohne Druck = Wegbleiben. Das ist ein sehr allgemeines Prinzip, wodran sich jeder Spieler ein wenig orientieren kann (Kommt beim DFB meine ich auch vor). Sagen wir der linke Innenverteidiger ist unter Druck und wir trainieren das Prinzip. Bedeutet es für die ballnahen Spieler rechter Innenverteidiger, linker Verteidiger, Sechser die Passdistanz zu verkürzen und somit gleichzeitig Gegenspieler zu binden. Die Spieler auf der nächsten Ebene, linker Mittelfeldspieler und Zehner, Schnittstellen besetzen und Passdistanz verkürzen und die letzte Ebene können durch tiefe Laufwege unterstützen. Also vieles in einem Prinzip drin mit der simplen Frage, wie kann ich meinem Mitspieler in diesem Moment helfen. Ich denke solche Oberprinzipien sind im Kinderbereich gefragt und dann die Kreativität der Kinder gefragt, um die Prinzipien zu füllen.

    Allgemeine Prinzipien brauchen zwingend Unterprinzipien. Das obige Beispiel zeigt ja, wie komplex jede Situation ist. Wir müssen dann schon wieder weitergehen und fragen, welche Unterprinzipien gelten, damit wir dem Mitspieler unter Druck helfen können. [...] wie weit wird entgegengegangen und in welchem Winkel wird sich positioniert.

    Das ist für mich ein ganz zentrales Thema, das ich bisher mit jeder Mannschaft bis zum Erbrechen durchgehen musste. Die Spieler müssen verstehen, dass es nicht immer eine Hilfe ist entgegen zu kommen. Dadurch macht man den bespielbaren Raum für den Ballführenden schließlich kleiner, bringt noch mehr Gegenspieler mit und erhöht zusätzlich den Druck, anstatt ihn zu reduzieren. Hier zeigt sich für mich immer wieder, ob ein Spieler "spielintelligent" ist, oder die absoluten Oberprinzipien noch nicht verstanden hat. Es ist meiner Meinung nach zugleich aber auch eine der am schwierigsten zu vermittelnden "Ebenen" im Fußball. Spiel ohne Ball, die Verbindung zu den Gegenspielern verstehen und intelligent nutzen, wenngleich man nicht unmittelbar an der Situation beteiligt ist. Da arbeiten die eigentlich zielführenden Verhaltensweisen häufig gegen den "Ball-haben-wollen"-Instinkt, der die Spieler immer wieder dazu bringt, sich in ungünstigen Räumen anzubieten, weil sie denken, das würde helfen.

  • Nachdem ich mir nun schon tagelang über diese Grafik den Kopf zerbreche, möchte ich mal fragen, wie ihr damit umgehen würdet:


    29100.jpg


    1. Nächster Spieler am Ball greift an: OK - kann man wahrscheinlich auch schon sehr früh vermitteln (F-/E-Jugend)

    2. Schlechte Ballannahme des Gegners: OK - sollte ich bereits möglichst nah schon am Gegner sein und brauche ich ein bisschen Spielerfahrung (D-Jugend)

    3. Langsamer Pass - dazwischen gehen: OK - Kinder sollte Geschwindigkeiten und Wegstrecken abschätzen können (E-Jugend)

    4. Schlechter Fuß: da muss man aus meiner Sicht schon sehr viel wahrnehmen (B-/A-Jugend)

    und jetzt kommen meine 2 Problemkinder ;-)

    5. Gegner am Spielfeldrand attackieren. Ja, der Spielfeldrand schränkt die Handlungsalternativen des Ballbesitzenden ein (grob gesagt nur 180 Grad anstatt 360 Grad zur Verfügung). Eine Balleroberung am Spielfeldrand schränkt aber auch meine Handlungsalternativen ein, wenn ich den Ball gewinne. Oft damit verbunden ist auch ein nach außen drängen des Gegenspielers und Ballbesitz durch Einwurf. Das führt zu Standardsituation und geordnetem Gegner und oft zu erneutem Ballverlust, weil viele Mannschaften keine Ideen beim Einwurf haben. Will ich die "Mitte stark machen", müsste der Spieler nach innen gelenkt werden, weil da bin ich stark und habe dann wieder die 360 Grad Möglichkeiten (beim Lenken hilft mir natürlich die Auslinie). Oft stelle ich aber auch fest, dass Kinder/Jugendliche und Erwachsene zufrieden sind, wenn der Angriff unterbunden ist und es Einwurf für den Gegner gibt. Damit habe ich den Ball allerdings nicht gewonnen - aufgrund der Ideenlosigkeit beim Einwurf habe ich allerdings eine hohe Wahrscheinlichkeit den Ball zu gewinnen.

    6. Gegner mit dem Rücken zum Tor angreifen. Auch ja, allerdings unter der Prämisse kein Foulspiel. Das sind aus meiner Sicht die dümmsten Fouls, wenn der Gegner mit dem Rücken zum Tor steht - jeder Freistoß ist vorteilhafter für den Gegner. In den unteren Klassen und in der Jugend führt das aber häufig zu Fouls. Wie geht ihr damit um und wie versucht ihr das zu verhindern?


    Ich interessiere mich besonders für 5 und 6. Wann (welche Jugend?) und wie vermittelt ihr hier die Prinzipien bzw. Subprinzipien? Danke.

  • Für mich ist Nummer 5 kein Prinzip

    Das ist aus meiner Sicht ein Auslöser, der ein bestimmtes Verhalten (Prinzip) auslöst.


    Im Beispiel ist der Auslöser der gegnerische Spieler am Flügel.

    Das passende Prinzip könnte sein, ich leite den Gegner zur Seitenlinie.

    Ein anderes Prinzip wäre, ich leite den Gegner Richtung Zentrum und versuche da Überzahl zu schaffen.

  • Der erste Punkt aus der Graphik entspricht dem "Prinzip der kurzen Wege": Wer am nächsten zum Ball ist, übt grundsätzlich Druck aus. Abgesehen davon sind das alles Auslöser bzw. Trigger. Insofern sehe ich sie auch nicht als Prinzipien an, sondern eher als Momente, die durch Prinzipien herbeigeführt werden sollen. Oberprinzipien dazu könnten lauten "Gegner in für ihn schlechte schlechte Situationen zwingen" oder "Nachteilige Situationen des Gegners für das eigene Pressing ausnutzen", je nachdem, ob der Gegner die Fehler von alleine macht oder wir ihn dazu zwingen.


    Ich greife mal das Beispiel von luibo auf: Für das Prinzip "Gegner auf den Flügel leiten/lenken" werden Unterprinzipien wie "das Zentrum mittels eigener Überzahl dicht machen" genutzt. Sobald die Mitte zu ist, neigen fast sämtliche Mannschaften dazu, den Ball nach außen zu spielen. Ist der Ball auf dem Flügel, wird dorthin geschlossen verschoben und die Wege ins Zentrum für den Gegner zugemacht. Da gelten dann wiederum die Prinzipien des ballorientierten Verteidigens (für Kinder müsste man da sicherlich andere Prinzipien finden). Wer es auf diese Weise schafft, den Gegner gut unter Druck zu setzen, zwingt ihn in der Regel dazu, dass der Ball entweder unkontrolliert nach vorne geschlagen, nach hinten gepasst, zu langsam oder ungenau gespielt wird. All das führt dazu, dass der Druck noch weiter intensiviert werden kann.


    Es gilt dabei, dass die Spieler lernen, diese Pressingtrigger zu erkennen. Ein weiterer Pressingtrigger bei mir ist, wenn der Spieler am Ball von seinen Mitspielern isoliert ist. Das ist in der Regel der Fall, wenn er von meinen Spielern umringt ist und sie Deckungsschatten nutzen. All diese Trigger zu erkennen, lernen die Spieler primär in Spielformen, wo sie die entsprechenden Erfahrungen sammeln können und ggf. situativ passend gecoacht werden.

    3. Langsamer Pass - dazwischen gehen: OK - Kinder sollte Geschwindigkeiten und Wegstrecken abschätzen können (E-Jugend).

    Hier gebe ich zu bedenken, dass die Wahrnehmung von Kindern noch nicht ausgereift ist. Kinder im Alter bis zu 11 Jahren haben oft noch Probleme damit, die Geschwindigkeit sich bewegender Objekte korrekt einzuschätzen. Darum haben sie auch Schwierigkeiten, Straßen sicher zu überqueren.


    5. Gegner am Spielfeldrand attackieren. Ja, der Spielfeldrand schränkt die Handlungsalternativen des Ballbesitzenden ein (grob gesagt nur 180 Grad anstatt 360 Grad zur Verfügung). Eine Balleroberung am Spielfeldrand schränkt aber auch meine Handlungsalternativen ein, wenn ich den Ball gewinne. Oft damit verbunden ist auch ein nach außen drängen des Gegenspielers und Ballbesitz durch Einwurf. Das führt zu Standardsituation und geordnetem Gegner und oft zu erneutem Ballverlust, weil viele Mannschaften keine Ideen beim Einwurf haben. Will ich die "Mitte stark machen", müsste der Spieler nach innen gelenkt werden, weil da bin ich stark und habe dann wieder die 360 Grad Möglichkeiten (beim Lenken hilft mir natürlich die Auslinie). Oft stelle ich aber auch fest, dass Kinder/Jugendliche und Erwachsene zufrieden sind, wenn der Angriff unterbunden ist und es Einwurf für den Gegner gibt. Damit habe ich den Ball allerdings nicht gewonnen - aufgrund der Ideenlosigkeit beim Einwurf habe ich allerdings eine hohe Wahrscheinlichkeit den Ball zu gewinnen.

    Gutes Beispiel dafür, warum jeder Trainer seine eigenen Prinzipien erstellen muss. Deine Bedenken ggü. der Balleroberung auf dem Flügel sind durchaus nachvollziehbar. Da musst Du als Trainer entscheiden, ob Du die Nachteile in Kauf nimmst und über weitere Prinzipien kompensierst, oder ob Du sie eben nicht in Kauf nimmst und stattdessen den Gegner ins Zentrum leiten willst. In diesem Falle wäre der fünfte Punkt kein Triggermoment für Dich und Dein Team.


    6. Gegner mit dem Rücken zum Tor angreifen. Auch ja, allerdings unter der Prämisse kein Foulspiel. Das sind aus meiner Sicht die dümmsten Fouls, wenn der Gegner mit dem Rücken zum Tor steht - jeder Freistoß ist vorteilhafter für den Gegner. In den unteren Klassen und in der Jugend führt das aber häufig zu Fouls. Wie geht ihr damit um und wie versucht ihr das zu verhindern?

    Auch hier kann man unterschiedliche Vorlieben vertreten. RB Salzburg sagt bspw. "Foul bricht Pressing". Wenn gefoult wird, ist ja sofort der Druck des Pressings weg. Der Gegner kann sich wieder sammeln und erlangt die Kontrolle zurück. Pep Guardiola lässt hingegen bewusst foulen, wenn der Ball nach einer gewissen Zeit nicht sofort wieder zurückerobert wurde. Auf diese Weise gibt er seinen (gegen)pressenden Spielern die Möglichkeit, sich hinten kompakt zu ordnen und nimmt dem Gegner die Möglichkeit, schnellen Raumgewinn zu erzielen. Also muss auch hier jeder für sich selbst entscheiden, was er bevorzugt.

  • Kinder im Alter bis zu 11 Jahren haben oft noch Probleme damit, die Geschwindigkeit sich bewegender Objekte korrekt einzuschätzen.

    Ich dachte da an die Fahrradprüfung in Klasse 4 (manche spielen da E-Jugend und andere D-Jugend) - hier geht man davon aus, dass Kinder das einigermaßen können. In Bezug auf Straßenverkehr haben wir somit an das gleiche Beispiel gedacht.

    Gutes Beispiel dafür, warum jeder Trainer seine eigenen Prinzipien erstellen muss.

    Wichtig für mich wäre, dass jeder Jugendspieler lernt, dass man seinen Gegner (Individualtaktik - E/D-Jugend) bzw. die gegnerische Mannschaft (Mannschaftstaktik - B-Jugend) auch lenken kann. Ob das nun nach außen oder innen ist, wäre mir erst einmal egal, sofern es Anschlussverhaltensweisen gibt. Das jeder Trainer seine eignen Prinzipien haben muss, sehe ich ein bisschen anders - gerade im Jugendbereich sollte aus meiner Sicht etwas Kontinuität gegeben sein und die Kinder und Jugendlichen sich nicht in jedem Jahr bei jedem Trainer auf neue Prinzipien einstellen müssen (im Herrenbereich habe ich da in dieser Saison RB Leipzig und dessen Trainerwechsel im Kopf).

    Pep Guardiola lässt hingegen bewusst foulen,

    Und mit dem "bewusst foulen" habe ich auch meine Probleme - v.a. im Kinder und Jugendbereich. Hier hat aus meiner Sicht aber auch das vorgegebene Prinzip dann seine Grenze (bzw. keine regelkonforme Lösung). (Bin mal gespannt, wann hier jemand auf den Zug Mannschaftsfouls und andere Strafen wie bei anderen Sportarten aufspringt - aber das wäre ein eigenes Thread-Thema).

    Da gelten dann wiederum die Prinzipien des ballorientierten Verteidigens (für Kinder müsste man da sicherlich andere Prinzipien finden).

    Warum würdest du für Kinder hier nach etwas anderem suchen? Hast du Angst, dass das 1 gegen 1 und seine Zweikampferfahrungen hier auf der Strecke bleiben?

  • Das jeder Trainer seine eignen Prinzipien haben muss, sehe ich ein bisschen anders - gerade im Jugendbereich sollte aus meiner Sicht etwas Kontinuität gegeben sein und die Kinder und Jugendlichen sich nicht in jedem Jahr bei jedem Trainer auf neue Prinzipien einstellen müssen (im Herrenbereich habe ich da in dieser Saison RB Leipzig und dessen Trainerwechsel im Kopf).

    Einheitliche Spielidee: ja; einheitliche Prinzipien: nein.

    Jeder Trainer muss innerhalb einer bestimmten Spielidee trotzdem noch seine eigenen Vorstellungen einbringen dürfen. Zumal mit zunehmender Altersklasse die Prinzipien zwangsläufig detaillierter werden.

    Warum würdest du für Kinder hier nach etwas anderem suchen? Hast du Angst, dass das 1 gegen 1 und seine Zweikampferfahrungen hier auf der Strecke bleiben?

    In einem Altersbereich, in dem noch keine Abseitsregel gilt, kann das ballorientierte Verteidigen nicht einfach nach Lehrbuch übernommen werden. Da muss man einige Anpassungen vornehmen.

  • Ich wollte euch Danke sagen. Ich habe durch euch mein BIG F entwickelt, an das ich mich sehr gut halten kann und mir immer wieder hilft. Dabei blende ich aus, ob es sich um eine Philosophie, Prinzipien oder Leitsätze handelt - dieses loslassen fällt mir zwar schwer, aber es hilft mir ;)

    Für was steht BIG F ("großer Fußball" als Eselsbrücke):

    B: Wir spielen mit dem Ball (Ball)

    I: Wir spielen immer mit (immer)

    G: Wir spielen gemeinsam (gemeinsam)

    F: Wir spielen fair (fair)


    Mit der Ebene darunter:

    Ball: Der Ball ist mein Freund / Ich will den Ball / Ich will bzw. wir wollen den Ball zurück

    immer: Ich kontrolliere Raum und Zeit / Ich denke mit / Ich bewege mich mit

    gemeinsam: Wir suchen die Überzahl und helfen uns / Wir kommunizieren miteinander / Alle greifen an und alle verteidigen

    Fair: Wir versuchen ohne Fouls zu spielen / Wir achten und respektieren den Gegner zu jeder Zeit / Schiedsrichter sind Teil des Spiels

    bin ich auch noch zufrieden. Wenn es auch nicht mehr so einfach ist, sich alles zu merken. :)


    An meiner Ebene 3 und 4 arbeite ich noch v.a. auch im Hinblick auf die einzelnen Jugenden - von einem Vereinskonzept habe ich mich mittlerweile verabschiedet (u.a. fehlende Mitarbeit und auch der Punkt von vangaalsnase ).


    Falls ihr mich da unterstützen wollt, wäre ich über Anregungen weiterhin dankbar. Hier der Link zu meinem Dokument und nochmals Danke für die bisherige Diskussion und auch ein Danke schon im Voraus.