Muss es immer das “beste“ Training sein?

  • Auch wenn der Titel vielleicht etwas übertrieben klingt ist es doch ziemlich genau die Frage welche mich seit einigen Tagen bereits beschäftigt.


    Kurz zum Hintergund; Ich bin seit 10 Jahren Kindertrainer in Dorfvereinen (Immer Bereich F bis D) und werde wohl auch selbst nicht mehr viel anderes oder höher klassiges Trainieren. Das zum einen körperliche und zum anderen auch räumliche Gründe.


    Dennoch bin ich begeisterter Fußball-Trainer und beschäftige mich auch gerne mit den Hintergründen meiner Arbeit. Zusätzlich bin ich auch nicht der Typ der sich zurück lehnt nach dem Motto „läuft ja alles!“. Nun stelle ich aber fest dass genau hier ein Haken liegt. So bin ich in den letzten 10 Jahren Jugendtraining von “völlig unvorbereitet ins Training“ und “Training nach Vorbild der eigenen Einheiten“ hin zu Horst Wein und Funino gewandert. Anschließend habe ich einen Mangel an Spielformen erkannt und versuche diese nun noch mehr zu forcieren. Und ich bin mir auch sicher dass ich in ein paar Monaten/Jahren andere Optimierungspotenziale erkennen werde.


    Nach 10 Jahren Jugendtraining habe ich allerdings nun auch oft die Möglichkeit Jugendliche von außen zu beobachten welche gerade den Sprung zu den Herren geschafft haben oder bereits in ältern Jugenden aktiv sind. Und genau hier sind auch bereits sehr viele gute Spieler dabei, obwohl Sie ja (Stand heute) in jungen Jahren völlig anders Trainiert wurden.

    Was mich zu der These führt das ein Training natürlich immer dem Alter und dem Können der Kinder entsprechen muss, die finale Ausführung (bzw. die Details) jedoch vielleicht zweitrangig sind.


    Mir ist völlig klar dass hier einige ihre Passion zum Beruf gemacht haben oder ganz andere Mannschaften (Spielklassen) trainieren. Dennoch würde mich eure Meinung interessieren.


    Warum z.B. hinterfragen wir heute einen H.Wein dessen Konzept aus Üben und Spielen nun zwar bereits 20 Jahre alt ist, aber dennoch sicherlich eine “gute“ Möglichkeit des Kindertrainings darstellt?


    Warum stecken wir Stunden in das Entwickeln von Spielformen zum Schwerpunkt wenn der Einfluss von uns Trainer derart gering ist? Bezogen auf Spielzeit auf den Bolzplatz.


    Warum sollte ich z.B. einem Trainierkollegen von H.Wein abraten und Spielformen empfehlen, wenn dies eine sehr gute (wenn auch alte) Möglichkeit der Trainingsgestaltung ist. Der Mehrwert einer weiteren Optimierung ist in meinen Augen nur noch sehr gering im Verhältnis zum Aufwand.


    Keine Angst, ich möchte hier keine Absolution von euch nun einen auf unvorbereiteten Kindertrainer zu machen da es ja egal scheint. Das ist gar nicht meine Art. Vielmehr stelle ich immer wieder auch den Aufwand der Vorbereitungen ins Verhältnis zum Einfluss auf die Entwicklung der Kinder.


    Bin gespannt wie ihr das Thema einschätzt.


    Gruß
    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

    "Der Grund, warum wir Fußball gucken, ist keine Zahl und kein Ergebnis, sondern ein Erlebnis."

    - (Quelle: paderball.com)

  • Vielleicht stolperst du aber schon über die Bewertung, was "das Beste" ist.


    Muss ein Spontantraining zwangsläufig schlecht sein, wenn ein Trainer ein riesen Repertoire an Übungen und Ideen im Kopf hat?
    Ist ein Trainer der sich zwei Stunden mit der Vorbereitung befasst hat, wirklich besser?


    Im Trainerlehrgang hat der Referent immer wieder in der Altersklasse bis E-Jugend einschließlich gepredigt: Spaß, Spaß, Spaß. Dann kommen die Kinder gerne, dann kommen sie wieder, sind einsatzwillig und spielfreudig.
    Was auch andere schon mal aufgeworfen haben, nämlich wie hoch der EInfluss der Trainer denn nun sei, zielt in die gleiche Richtung. Die die intervenieren haben wieder die künftigen Schweinsteigers, Lahms und Messis vor Augen und vielleicht benötigen diese Talente in der Tat ne andere Ansprache, Trainingsinhalte und Mitstreiter.


    Ich hab da eher Johannes, Mika und Noah vor Augen, die sich vielleicht mit 17 intensiver den Mädchen zuwenden... oder in der Kreisliga A spielen werden... oder gleich in eine bunte Liga gehen.


    Ist es nicht viel wichtiger, dass die Kinder rückblickend sagen können: Boar, es war toll im Fußballverein. Wir hatten tolle Fahrten, ne super Mannschaft und unser Trainer war echt cool.


    Mit 10 bin ich Skirennen gefahren, hab Slalom und Riesenslalom trainert, ich kenne noch alle Namen aus unserer Trainingsgruppe und hab noch viele Anektoden im Kopf. Meine Volleyballjugendtrainer, ich würde jeden noch auf der Straße erkennen. Bei manchem würde ich stehenbleiben und ne Runde quatschen, bei anderen wohl eher die Straßenseite wechseln. Hat das mit der spielerischen Weiterentwicklung zu tun? Nein, mit dem zwischenmenschlichen.
    Andre hatte dies bechrieben, was auch mein Mann erzählt: früher hat man in der D-Jugend überhaupt erst angefangen und wurde da belächelt.


    Natürlich hat sich der Spitzensport extrem weiter entwickelt. Wenn man heute ein Buli-Spiel aus den späten 80ern anschaut, dann glaubt man ja, dass die Spieler sich so gut wie gar nicht bewegen... Aber ob diese Effekte im Breitensport auch so ausgeprägt sind? War ein Kreisklassespiel vo 30 Jahren so viel langsamer als es heute ist? Vorallem ist es so viel schneller, dass wir schon bei achtjährigen anfangen müssen, sie darauf vorzubereiten?



    Modernes Kifu-Training, das mit Spaß statt mit stupiden Übungen die Kinder zum Spielen (im weitestens Sinne) anregt... das ist es was wir benötigen. Funino geht doch in die Richtung. Die Kinder sollen/wollen spielen, viele Tore erzielen und welche verhindern. Zeig mir den der nach dem Training zu Hause sagt: "boar Mama, ich habe heute den Ball 17 mal hin und her gepasst und der Trainer hat mir zwei mal gesagt, dass mein Fuß noch nicht optimal steht." :S

  • @Goodie
    Ich bin hier im Grunde völlig bei dir. Auch für mich sollte der Spaß in diesen Jahren im Vordergrund stehen, was ich auch mit dem Bezug zu Alters- und Leistungsgerechtes Training hervorheben wollte. Denn selbst in der D-Jugend sollte bei allem Fokus auf Goldenes Lernalter usw. der Spaß nicht zu kurz kommen. Dennoch wird das Training für eine Auswahlmannschaft anders aussehen als für die Dorftruppe.


    Trotzdem verbringen wir alle aber immer wieder Zeit hier oder mit anderen Informationsmedien um das "jetzt" vielleicht noch besser zu gestalten. So bin ich vor kurzem selbst vor der Frage gestanden ob ich denn nicht viele der H.Wein Übungen in meinem Training durch Spielformen ersetzen sollte. Denn derzeit scheint das der Weisheit letzter Schluss zu sein.
    Ebenso ist "unvorbereitet" nicht gleich schlecht. Allerdings sind die Erfahrung und der Pool an Übungen sicherlich ein Kriterium. Ein "erfahrener" Trainer wird auch ohne lange Vorbereitung zum Schwerpunkt etwas machen können. Allerdings ist ja allein die Fokussierung auf einen Schwerpunkt schon ein großer Schritt in der Vorbereitung. Wenn dieser auch zeitlich oft nebenbei läuft. Viel zu oft beobachte ich aber immer noch Trainer welche Kinder Übungen aus dem Erwachsenenfußball machen lassen und auf Nachfrage "Was Sie denn gerade machen?" antworten "Fußballtraining". Und genau in diesem Umfang findet auch deren Vorbereitung statt.


    Mir geht es daher viel mehr um die Frage was treibt euch an ein in euren Augen gutes Training für eure Spieler weiter zu verbessern? Warum nicht die Übungen von dieser Saison dokumentieren und im nächsten Jahr einfach wieder abspulen? Warum H.Wein noch weiter optimieren wenn es doch schon gut ist?


    Klar kann man mit Spaß allein sehr viel gestalten. All die Themen zur Trainingsgestaltung hier zeigen aber das viele sich immer wieder Gedanken machen und durchaus bereit sind es noch besser zu machen.


    Gruß
    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

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  • @totog
    Eine Antwort auf Deine Warum-Fragen die mir sofort eingefallen ist: Weil es wohl sonst dieses Forum nicht gäbe und nicht so viel spaß machen würde mit Euch zu diskutieren! Denn es geht nicht nur um die Kindern, sondern auch um den Trainer - es ist auch mein Hobby! Und genau das treibt mich an.

  • Ich denke, dass Kindertrainer sich im allgemeinen oft zu wichtig nehmen. Zumindest was die sogenannte fussballerische Ausbildung angeht. Ich denke nicht, dass man ein Programm aus dem Vorjahr einfach abspulen kann. Dafür gibt es doch zu viele unterschiedliche Charaktere, Schwächen, Stärken. Man muss sich denke ich schon individuell auf die Kinder einstellen. In erster Linie geht es ja darum, sie bei der Stange zu halten. Und das werden sie wohl nur, wenn es ihnen Spaß macht. Und um Spaß zu haben, darf man nicht überfordert werden.

  • Warum z.B. hinterfragen wir heute einen H.Wein dessen Konzept aus Üben und Spielen nun zwar bereits 20 Jahre alt ist, aber dennoch sicherlich eine “gute“ Möglichkeit des Kindertrainings darstellt?

    Ich hinterfrage ihn nicht. Ich finde die Methode, Kinder zu stimulieren statt sie zu instruieren -wie Horst Wein es in seinem Buch "Entwicklung der Spielintelligenz" beschrieb ...sehr sehr gut, weil es das Mitdenken der Kinder projeziert und Denken und Tun vereint. Das was er dazu sagt und meint und beschreibt...ist nichts neues. Jeder der hier im Forum Lehrer an einer Schule ist kennt das, das ist täglich Brot...würde ich mal so annehmen.

    Warum stecken wir Stunden in das Entwickeln von Spielformen zum Schwerpunkt wenn der Einfluss von uns Trainer derart gering ist? Bezogen auf Spielzeit auf den Bolzplatz

    Ganz einfach...weil die Spielform die Form des Lernens ist, die "ganzheitlich" alles in einem schult und die Kinder mehr oder minder unbeeinflusst ihre Erfahrungen machen lässt und zwar am Maximum...so Trainer als Begleiter das Maximum dabei kitzelt.


    Z.B. weil er in dem kleinen Übungsteil vor der Spielform die Grundschule legte, und die Kinder diese in der Spielform abrufen können...von selbst...oder weil Trainer das über die/eine sogenannte Provokationsregel eben provoziert (Tore zählen nur mit dem linken Fuß...oder zählen doppelt, wenn sie mit links geschossen wurden und und und).


    Dabei ist zu wissen, dass sich die Synapsen im Gehirn über Erfahrungen ein wenig eher schließen könnten. Das beinhaltet für mich, dass ich das nicht erzwingen kann...das das nicht wirklich wichtig ist, dass das eine/drei oder 10 Wochen schneller geht...aber schön ist, wenns denn so wäre. OHNE diese Erfahrungen sitzen sie zu Hause vor der Playsi...und da lernen sie DAS jedenfalls so nicht, ...dafür aber schnelles denken. Selbst das zeigt auf, das alles Vor.- und Nachteile hat. Ich denke halt, dass man -je mehr man sich schlau macht- mehr für sein Training mitnehmen kann, das man den Kindern anbietet. "NUR" Horst Wein...nur DFB...nur der Trainer selbst ist nicht die Lösung, wobei es DIE Lösung auch nicht gibt....jedenfalls nicht beim/im Kifu.

    Warum sollte ich z.B. einem Trainierkollegen von H.Wein abraten und Spielformen empfehlen, wenn dies eine sehr gute (wenn auch alte) Möglichkeit der Trainingsgestaltung ist. Der Mehrwert einer weiteren Optimierung ist in meinen Augen nur noch sehr gering im Verhältnis zum Aufwand.

    Mal am Rande...wer Horst Wein-Fan ist...und das berücksichtigt was er propagierte (Vergangenheitsform...denn der Mann ist gestorben)...der macht schon eine Menge richtig...finde ich. Da wäre das Stimulieren gebucht und die Spielform doch auch. Ich erinnere mich, dass ich damals im Internet zirka 120 Meter orangenfarbenes zirka 2,5 Zentimeter breites Band bestellte...Haken einnähte und mit Zeltheringen so drei breite in der Tiefe schmale ...Felder erzeugte, um die Felder zu erzeugen, die Horst Wein in seinem Buch "Spielintelligenz" nachbauen zu können. Dann habe ich das Buch intensiv gelesen und jede einzelne für das Feld vorgesehene Übung für die Wettkampfform des Spielgeschehens rauszuschreiben. Ich glaube es waren um die 20ig Übungen die sich so rauskristalisierten. Das ging im Prinzip über Übungsformen im Dreierverband...bis in die reine Spielform. Z.B....kannte ich nicht, wie man ein Drei gegen Null spielt und das über Stimulierung und in Wettkampfform auf diesem Feld. Da war alles ganzheitlich drin.

  • @Ersatzbank
    Ich denke dein Ansatz ist gar nicht mal so falsch. Natürlich ist es unser Hobby und daher haben wir auch Lust uns damit zu beschäftigen. Allerdings denke ich das wir (bewußt oder unbewußt) die Kinder bzw. das Training oftmals etwas Überhöhen um eben genau das weiter betreiben zu können. Wie @Libra auch schreibt ist der Einfluss des Trainers ja nicht so hoch wie wir uns gerne Vorstellen.


    @Andre
    Ich wollte die H. Wein Philosophie auch nicht ins Negative verkehren. Im Gegenteil, ich kämpfe im Verein nahezu jede Woche das auch in anderen Mannschaften mehr davon umgesetzt wird. Langsam bewegt sich hier auch was im Verein worüber ich mich durchaus freuen kann.
    Gleichzeitig suchen wir hier aber bereits wieder nach der Verbesserung bzw. dem Maximum wie du es beschreibst indem wir noch mehr Spielformen und noch spiel näher trainieren wollen. Ich denke aber genau hier schließt sich doch auch der Kreis zu Ersatzbanks Argument. Der Unterschied in der Ausbildung der Kinder wird sich nicht mehr eklatant unterscheiden. Allerdings haben wir den Anspruch an uns und unser Hobby es noch besser zu machen. Es gibt ja auch Modellbauer die fertige Sätze kaufen und andere bauen bis ins letzte Detail alles perfektionistisch nach.


    Somit kann man den Antrieb vieler wohl am ehesten darin sehen "den Kindern die bestmöglichen Entwicklungschancen" zu bieten. Wichtig ist jedoch, und das scheint mir auch hier nicht immer der Fall zu sein, das wir unseren wahren Einfluss einschätzen können und auch entsprechend zu bewerten wissen. In manchen Diskussionen hier gewinnt man ja den Eindruck als würde über Leben und Tod diskutiert obwohl es am Ende nur um Suboptimal oder optimal geht. Natürlich ist jeder hier mit Herzblut Trainer oder Funktionär, aber ich denke jeder der sich hier informiert und beteiligt ist auf einem guten Weg.
    Mir persönlich hat hier ein Thread sehr gut gefallen welcher in meinen ersten Monaten in diesem Forum diskutiert wurde. Darin ging es darum ob nicht einfaches Fußball spielen bis zur E-Jugend ausreichen würde. Im Grundtenor war man sich hier einig das es auch eine, vielleicht nicht die allerbeste, Option wäre den Kinder die Lust am Fußball zu bewahren. Gleichzeitig würden sich sicherlich auch entsprechende Lerneffekte einstellen.



    Gruß
    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

    "Der Grund, warum wir Fußball gucken, ist keine Zahl und kein Ergebnis, sondern ein Erlebnis."

    - (Quelle: paderball.com)

  • Machen die "besten" Trainer das "beste" Training? Gunter Dueck schreibt "Die Besten sollen lehren!" (ich denke, dass kann man auch auf den Fußball übertragen, wenn man will). Aber stimmt das?


    @Libra: Ich denke schon, dass man ein Programm aus dem Vorjahr nochmals machen kann. Ob allerdings das "beste" Training des Vorjahres auch dieses Jahr das "beste" Training sein wird, mag ich bezweifeln (da gibt es zu viele externe Einflüsse: Wetter, Laune der Kinder, Zusammensetzung usw.). Auch Lehrer machen nicht jährlich den Unterricht neu ;-)


    Ich frage mich oftmals, was ist das "beste" Training für die Kinder? Ich möchte, dass sie viele Ballkontakte haben, ihre Technik besser wird, sie als Mannschaft spielen usw. - aber wollen das die Kinder auch? Oder reicht denen nicht auch, dass sie etwas gemeinsam mit ihren Freunden machen, sich ausprobieren wollen und deshalb alles alleine machen, sich gerne für einen Torschuss anstellen, weil sie da sich mit den anderen unterhalten und Quatsch machen können.


    Nachdem mal wieder Mai ist, könnte ich mein Experiment aus den Vorjahr wiederholen :-) - jetzt sind meine Kinder alle ein Jahr älter. Mal sehen, ob ich das mache.

  • @totog


    da habe ich dich wohl etwas missverstanden.


    Ich denke, dass es - so man einen guten Weg gefunden hat - die Qualität anzuheben ...diese Güte die dann entstanden ist in ihrer Nachhaltigkeit zu sichern.


    Das denke ich - kann man sicher und gut erreichen -, wenn ich ein Konzept einführen würde.


    Hier hinein gehört für mich auch, z.B. eine vereinsinterne Trainingsdatei, wo gerade neue Trainer sich angelehnt an das Konzept ihre Trainingsthemen ziehen könnten.


    Für mich stünde eine Qualitätssicherung im Rahmen dieser Nachhaltigkeit als oberstes Ziel an. Hierbei ist ein ständiges Hinterfragen unausweichlich. Hierzu könnte gehören, dass man sich in regelmäßigen Abständen mit einem/dem eingeführten Gremium diesbezüglich trifft und Altes wie Neues aufzunehmen oder wieder zu entfernen (z.B. aus der vereinsinternen Onlinebank).


    Das Konzept selbst würde ich schützen und zwar durch Koordinatoren, die im WIR den roten Faden "überwachen"...mal einen Tipp bringen, etwas noch besser umzusetzen (das Stimulieren beispielsweise oder die Abläufe auf dem Trainingsplatz) oder auch, einen schlimmen Finge/vereinsschädigenden Narzissten ganz schnell wieder zu entfernen, weil dieser stetig gegen das Konzept verstößt, weil er z.B. rumbrüllt, den Verein blamiert, nicht auswechselt, ungleiche Spielzeiten im Kifu produziert, nicht altersgerechte und nicht zum Konzept passende Trainings anbietet und so überfordert und und und.


    Und um das Traineramt attraktiv zu machen, und um den Trainer noch mehr an dieses Konzept zu binden...würde ich dafür sorgen, dass dem Trainer eine Aufwandsentschädigung in Höhe von mindestens 100 bis 150 Euro im Monat pro Team zukäme, finanziert durch eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge auf 9, 12 bis 15 Euro im Monat...für das erste und zweite Kind, drittes Kind frei.


    Das wiederum würde ich unter Darstellung des Problems, Lösungsvorschlages und einer Abstimmung in der Mitgliedsversammlung bringen. Das Ergebnis wäre der Auftrag für den Vorstand oder...meine Kündigung, da ich nie wieder in einem Verein tätig werde, wo kein Konzept die Dinge regelt. Gr. Andre

  • Kurz zum Hintergund; Ich bin seit 10 Jahren Kindertrainer in Dorfvereinen (Immer Bereich F bis D) und werde wohl auch selbst nicht mehr viel anderes oder höher klassiges Trainieren. Das zum einen körperliche und zum anderen auch räumliche Gründe.

    ...kann es sein, dass du in einer Art Sinnkrise steckst?
    Liest sich für mich so, als hätte dein alt angestammter Dorfverein mit deiner persönlichen Entwicklung nicht schritthalten können oder wollen.
    Evtl. gehörst du in "Bereiche", die eben mit "einfach mal spielen lassen" nicht mehr auskommen!


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • ...kann es sein, dass du in einer Art Sinnkrise steckst?
    Liest sich für mich so, als hätte dein alt angestammter Dorfverein mit deiner persönlichen Entwicklung nicht schritthalten können oder wollen.
    Evtl. gehörst du in "Bereiche", die eben mit "einfach mal spielen lassen" nicht mehr auskommen!

    Mag sein, denke ich aber eher nicht. Zumindest noch nicht.


    Vielmehr wollte ich das Thema bewusst etwas anders formulieren. Was vermutlich den Eindruck auch etwas verzerrt. Zugegeben geht es mir in vielen Gesprächen und auch vielen Threads hier in den letzten Monaten viel zu starr zu und ich frage mich schlicht ob wir uns nicht alle zu ernst nehmen. Das mag natürlich auch daran liegen das man mit fortschreitender Erfahrung, Trainerscheinen usw. immer neue Personen kennenlernt welche z.T. auch eine andere Ausgangslage haben, aber wenn man hier teilweise persönliche Anfeindungen zu Lappalien ließt fragt man schon auch nach dem Grund. Mir geht es zumindest so.


    Und da ich für mich keine ausreichende Erklärung finden konnte habe ich diese Thema aufgemacht. Vielleicht haben andere ja eine völlig unterschiedliche Ansicht zu diesem Thema welche ich so nicht gesehen habe.


    Mit Hobby lassen sich schlich manche Kommentare und aber auch manche Auftritte nicht erklären.


    Gruß
    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

    "Der Grund, warum wir Fußball gucken, ist keine Zahl und kein Ergebnis, sondern ein Erlebnis."

    - (Quelle: paderball.com)

  • Ich bin da auch etwas in der Selbstfindung. Hatte ja den Thread: Trainieren wie die Holländer gestartet und lasse mache jetzt deutlich mehr Spielformen.


    Zwei Beobachtungen dazu: Die vielen Wettspiele und direkten Vergleiche scheinen die Kids deutlich mehr zu motivieren als starre Übungen, auch die von Horst Wein, und sie sind viel engagierter dabei.


    Der zweite Punkt: Schüsse im Spiel und im Training. Es kam, von meinem Sohn, die Aussage: Im Spiel kann ich nie so schiessen wie im Training, da klappts viel besser.


    Das haben andere auch bejaht.
    Natürlich ist das nicht repräsentativ, aber es bestärkt mich darin die Kids mehr spielen zu lassen. Klar, man macht vor und ich versuche zu coachen wie ich es aus Horst Weins Buch kenne, aber, dieses eine Mal, oder auch zwei Mal Training die Woche und auch der Könnensstand der Kinder bringen mich auch zu dem Entschluss, die Kinder sollen spielend lernen wie man schiesst, passt, usw.


    Nicht durch starre Wiederholungen, sondern durch immer wieder andere Vorzeichen. Denn wie es nicht die perfekte, oder die eine richtige Technik gibt, gibt es im Spiel auch nicht die Situation die 08/15 zu lösen ist.


    Meine Aufgabe ist also Spielformen zu erdenken, oder einzubauen und die Kinder spielerisch immer wieder in andere Situationen zu bringen die sie lösen müssen.

  • @Ersatzbank: Ich bin ein Dueck Fan, aber in diesem Fall würde ich ihm widersprechen. Auf den Fußball bezogen: Ich brauche nicht den besten Fußballtrainer (Fußballlehrer) bei den Kleinsten, sondern den besten Kinderversteher, Fußballentertainer, Fußballclown, Neugierwecker usw. (habt ihr noch andere Bezeichnungen?). Ein Fußballlehrer kann in diesem Bereich nicht alle seine Kompetenzen (z.B. Taktik) einbringen und fühlt sich dann wahrscheinlich unterfordert oder begrenzt - pädagogisch ist er vielleicht überfordert, weil diese Altersgruppe in seiner Ausbildung kaum eine Rolle spielt. Und das wirkt sich auf seine Begeisterung und Begeisterungsfähigkeit aus.


    Das beste Training ist für mich eines, dass nicht eingrenzt. Ich mag auch so Sprüche mit denen wir groß geworden sind "vor dem Tor wird nicht quer gespielt" (was macht Bayern heute?) oder "Einwurf immer der Linie entlang" (raubt mir weitere Optionen) nicht.
    Dazu das Gleichnis: Von Menschen und ihrer Elefantenschnur (von Tanja Föhr, www.flickr.com) stellt das grafisch sehr schön dar.

  • Ich denke, nach ebenfalls 10 Jahren Trainererfahrung im (mittlerweile allerdings im Jugendbereich recht ambitionierten) Dorfverein, dass du grundsätzlich richtig liegst. Der Effekt der genauen Ausgestaltung des Trainings tritt, was die Resultate anbelangt, deutlich hinter andere Faktoren zurück. Dennoch gibt es aber Dinge, die wir entscheidend beeinflussen können. Dazu zähle ich vor allem das Spielen mit beiden Füßen, was kaum ein Kind von sich aus machen würde, was aber auf Dauer einen enormen Vorteil beim Spielen bringt (und Spaß am Spielen, worum es letztlich ja gehen sollte, ist meines Erachtens immer auch eine Funktion von Fähigkeiten und damit dessen, wie gut man ist). Bei den Kindern ist's der Pass und das Dribbeln mit dem schwächeren Fuß, später dann vielleicht auch der Torschuss und der Flugball. Generell geht es denke ich darum, die Kinder zu ermutigen, neue Bewegungserfahrungen zu machen, mal einen neuen Trick auszuprobieren und daran vielleicht Spaß zu finden. Was dabei aber dann rauskommt, kann natürlich sehr unterschiedlich sein, dazu gibt es einfach zu viele Einflussfaktoren. Wir haben im Trainerteam aber zum Beispiel gerade einen Spieler von der F- bis zur B-Jugend begleitet, der von F- bis Anfang C-Jugend oft eher etwas unmotiviert wirkte, vor allem aber auch einfach sehr schwach war. Den hat's dann irgendwann gepackt, er hat angefangen unheimlich viel in seiner Freizeit zu spielen, ist besser geworden und mittlerweile ein ordentlicher Fußballer, von dem ich ziemlich sicher bin, dass er auch im Seniorenbereich ankommen wird und in den letzten Jahren viel Spaß an dem Sport hatte und ihn auch in Zukunft haben wird. Dabei helfen sicher die Grundlagen, die er vorher in gewissem Maße schon vermittelt bekommen hat.

  • Moin,


    ich habe den Thread jetzt mal verfolgt und ganz bewusst das letzte Training nicht von langer Hand geplant wie ich das sonst mache (Ca. 90 Minuten ein, zwei Tage vorher), sondern einfach mal auf der Fahrt zum Training kurz überlegt (ok...den Schwerpunkt der letzten Trainingseinheiten hatte ich schon berücksichtigt...mehr aber nicht).


    Training hat den Kindern meiner Wahrnehmung nach trotzdem viel Spaß gemacht.


    Zwei Teams gebildet, Auftaktspiel in Wettkampfform (wer schafft zuerst 5/10 Tore)
    Nach Zuwurf vom Mitspieler Volleyabnahme, Drop-Kick oder Torschuss nach max. einmal Auftrumpfen auf das Tor mit neutralem TW.
    Das Ganze danach (kann man drüber streiten ja) via Kopfball...Tore nach Flugkopfball oder vorherigem Absprung haben doppelt gezählt.


    Randnotiz: Es ist erstaunlich wie gut die Kids werfen können, wenn der Mitspieler das einfordert...und wie gerne Sie fliegen... :D:D:D .


    Danach zwei Spielformen:
    Spielform 1:
    In einem Feld ein einfaches 2 vs. 2 auf jeweils 2 Minitore
    Anm: Hier völlig freies Spiel (nur lobende Worte)


    Spielform 2:
    In dem anderen Feld griff (nach H. Wein) ein Dreierteam jeweils abwechselnd eine Grundlinie an, die von einem VT auf der Linie und einem VT im Feld verteidigt wurde.
    Ziel war es, über die Grundlinie zu dribbeln.
    Wer schafft bei 10 Durchgängen die meisten Punkte.
    Kamen die VT in Ballbesitz und schafften es, einen kontrollierten Pass zum anderen VT-Team gegenüber zu spielen gab es einen Minuspunkt für das Dreierteam.
    Anm: Hier teilweise mit Coaching (Situationen einfrieren und Fragen stellen)...lobende Worte für z. Bsp. Dreiecksbildung, "richtige" Fußauswahl, richtige Lösung (Dribbling oder Pass)


    Abschluss:
    5 gegen 6 auf ein großes Tor (5 Spieler) und zwei Minitore (6 Spieler)
    Anm: Kein Choaching


    Danach haben wir noch den Rasensprenger angemacht und das Duschen quasi auf den Sportplatz gelegt... :thumbsup::thumbsup::thumbsup:


    Zugegeben: Das Auftaktspiel hatte mal nix mit dem Hauptteil zu tun...aber Spaß hat es den Kindern trotzdem gemacht denke ich...

  • Ich denke gleich viel Spaß...wobei das bei Kindern ja immer relativ ist.


    Zugegeben:
    Ich war deutlich entspannter dabei...


    Haben das Einstiegspiel z.B. relativ lange gemacht, weil die Jungs sichtlich viel Spaß hatten...und weil meiner Meinung ja auch ein ordentlicher Übungscharakter dabei war.
    Timing beim Werfen, Ausloten der Flugbahn des Balls, kann der Ball besser direkt, via Dropkick oder nach dem Auftrumpfen geschossen werden, gehe ich dem Ball entgegen, weiche ich zurück...


    Durchgeplantes Training ist da von der zeitlichen Komponente her deutlich strukturierter (obgleich auch da mal vom Wege abgewichen werden darf/kann).


    Spaß macht mir Training immer...
     :D:D:D

  • (obgleich auch da mal vom Wege abgewichen werden darf/kann).

    ...ich denke, darin liegt der Schlüssel.
    Einfach die Vorteile von geplantem, gut durchstrukturiertem Training mit "Spontanvollbockdrauftraining" zu würzen.
    Für mich persönlich hat sich ein eher grober Planungsrahmen bewährt, der auch kurzfristig bestückt, ergänzt, geändert werden kann.
    Dazu ist sicher Erfahrung hilfreich und eine solide Übungssammlung.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.