@1910
Vielen Dank für die Beschreibung des praktischen TW-Trainings! Hier gibts nämlich einen gravierenden Unterschied zum Mannschaftstrainer, wenn es um die Vermittlung von komplexen Bewegungsabläufe geht. Aktive und Ex-Keeper, die neu einsteigen ins TW-Trainer-Geschäft versuchen es sich zunächst einmal daran, den Bewegungsablauf zunächst einmal zu demonstrien und erwarten dann von ihren Schützlingen, das die das dann auch auf die Reihe kriegen. Zur Not lassen sie es immer wieder nachmachen in der Hoffnung, irgendwann könnte sich der korrekte Bewegungsablauf automatisieren. Das klappt leider nicht immer und der neue TW-Trainer glaubt, der Keeper wäre ein Grobmotoriker, weil das ganze doch nicht so schwer sein kann. Aber selbst, wenn der junge Keeper es nachmachen kann besteht die Gefahr, das er die gleiche Fehler seines TW-Trainers übernimmt.
Wie geht man nun ans Thema ran?
1. Vorübungen
Das sind Übungen, die zum Thema hinführen und die Aufgabe gliedern. Hier ist es die Reihenfolge:
a. TW-Grundstellung
b. Hechten
c. Abrollen
Wie die TW-Grundstellung richtig aussieht, kann man aus einer Reihe von Info-Materilien erstehen, weshalb ich direkt in das Hechten und Abrollen einsteige.
1. Schritt: Hechten aus der Sitzposition
a. Zunächst begeben sich die kleinen Keeper in Sitzposition
b. Aus einer Entfernung von ca. 5 m rollt der Trainer nun die Bälle an der rechten bzw. linken Seite des Keepers.
c. Der Keeper kippt aus der Sitzposition in die Seitenlageposition ab und fängt den Ball mit beiden Händen.
2. Schritt: Hechten aus der beidbeinigen Knieposition
a. Die Keeper begeben sich in die beidbeinige Knieposition.
b. siehe 1.b.
c. Der Keeper kippt aus der beidbeinigen Knieposition in die Seitenlage ab und fängt den Ball
Häufige Fehler:
Keeper kippt an der "schwacheren Seite" auf den Bauch.
Trainerhinweise:
a. Knie an der Ballrichtungsseite vorsetzen, dann zu Seite kippen
b. Oberkörper nicht drehen, sondern in Positon lassen
Tipp: Wenn die Hinweise jetzt schon gegeben werden, hat der Keeper es leichter das spätere Hechten aus der TW-Grundposition zu erlernen. Die Wahrscheinlichkeit von schmerzhaften Erfahrungen, weil er auf der koordinativ schwachen Seite aufgrund eines fehlerhaften Ablauf schmerzhafte Erfahrungen (z.B. Keeper fällt auf den Ball oder fällt mit dem Gesicht auf den Boden) sind geringer.
3. Schritt

in der Halle mit Matte) Hechten aus der TW-Grundposition
a. TW begibt sich in Grundposition im Abstand von ca. 1 m vor dem TW-Trainer
b. TW-Trainer hält Ball in ca. 50 cm Höhe rechts/links mit ausgestreckten Armen in den Händen. Eine Hand liegt auf dem Ball, die Andere befindet sich unter dem Ball!
c. TW ergreift mit beiden Händen den Ball und rollt vorwärts ab.
Häufige Fehler:
a. TW rollt nicht ab, weil er sich noch nicht traut (Hinweis: Mut zusprechen und den Ball etwas niedriger halten, damit der Weg zum Boden kürzer wird)
b. TW läßt Ball während des Fallens läßt der den Ball los und stützt sich mit dem unteren Arm auf dem Boden ab (HInweis: dito)
c. TW rollt zur schwächeren Seite nicht vorwärts, sondern rückwärts ab (HInweis: TW-Positon von frontal auf etwas seitlich ändern, damit die Drehrichtung vorgegeben und leichter umgesetzt werden kann)
d. TW hat generelle Probleme aus der TW-Grundstellung zu Hechten
(Hinweise: Wiederholung beidbeinige Startposition und Zwischenschritt: einbeinige Knieposition)
4. Schritt: Hechten mit vollständigem Bewegungsablauf
a. TW-Grundposition
b. TW-Trainer rollt auch ca. 10 m Distanz Ball fach in rechte/linke Torecke.
c. TW orientiert sich in Ballrichtung (z.B. Seitstep)
d. TW verharrt für einen kurzen Moment in die TW-Grundposition
e. Hechtvorgang: TW knickt ballnahes Bein ein, wobei seitliche Position beibehalten wird - TW streckt Oberkörper und Arme in Ballrichtung, TW ergreift mit beiden Händen den Ball
Für den Einen mag sich das kompliziert, für den anderen einfach anhören. Wer weitere Infos dazu will, kann z.B. auch auf die Videoclips von "blaue Wand" zugreifen.
Für den Anfang ist es wichtig, das die Kids "nicht ins kalte Wasser geworfen", sondern behutsam, d.h. möglichst ohne schmerzhafte Erinnerungen, an die TW-Grundtechiken herangeführt werden. Auch beim TW-Training ist es wichtig in kleinen Schritten vom einfachen zum schweren und vom bekannten zum unbekannten zu gelangen. Statt voreilige Diagnosen in Richtung talentiert oder untalentiert zu stellen, empfehle ich den ungeübten TW-Trainern etwas mehr Geduld zu haben und auch zu überlegen, was man selbst anders machen kann. Denn gerade beim TW-Training läßt sich sagen: "viele Wege führen nach Rom".
Wer aber für kleine Keeper ein Training für kleine Erwachsene machen möchte, wird rasch an Grenzen stoßen, die er so kaum durchbrechen kann! Deshalb möchte ich noch kurz etwas über die "Schürenmethode" sagen. Zwar versteht man noch etwas anderes unter TW-Stellungsspiel, aber das lassen wir mal beiseite. Die Methode, dem Keeper ein Absperrband u.ä. in die Hand zu geben oder lose an den Hosenbund zu befestigen und ihn dann von der einen zur andere Torseite zu schicken, eignet sich prima für Keeper ab der C-Jugend (evl. für Talente der D-Jugend). Jüngere Keeper können sich nicht vorstellen, bzw. vergessen, was da hinter ihnen abläuft. Hier ist es besser entweder die Schnüre auf den Boden zu legen (Frontalposition) oder die momentane seitliche Position "einzufrieren", die TW undTW-Trainer-Positon zu tauschen und den TW bitten, die Schüre so auf den Boden zu legen, das die komplette untere Torfläche abgebildet ist.
Für die ganz Kleinen kann man auch Hütchentore nehmen, die in unterschiedlichen Distanzen schrittweise die Torflächenverkleinerung bei TW-Positonsänderung (seitlich, frontal, kurze oder weitere Distanz zum Tor) abbilden und als Standbild leichter für die "Kurzen" einzuprägen sind.
Die Einführung ins 1 : 1 Spiel und mit dem richtigen Timing lasse ich hier mal weg, weil der Beitrag sonst zu lang werden würde. Außerdem möchte ich auch anderen die Möglichkeit geben, ihr Wissen hier preiszugeben oder über Erfahrungen zu berichten.