Ich mache ja derzeit das Trainerscheinchen und lese parallel das neueste Buch von Horst Wein. Da mache ich mir so meine Gedanken. Ich finde, dass das Thema "Korrigieren" ein riesen mega Thema ist, weil es genau das erfaßt, wo wir Trainer am meisten Bockmist bauen.
Gelernt habe ich nun, dass man -wie TW das schon prima beschrieb- vom einfachen zum schweren traineriert. Gelernt habe ich auch, dass man einen Trainingsschwerpunkt setzt. Trainiere ich diesen Schwerpunkt, trainiert man natürlich auch parallel andere Dinge versteckt mit. Bewerten werde ich in Zukunft nur noch das, was den Trainingsschwerpunkt ausmacht, das wäre ein Unterschied zu vorher.
Beispiel:
Mein Trainingsschwerpunkt in der D ist das altersgerechte 1:1 in der Defensive.
Ein angreifender Spieler legt den Ball beim losdribbeln zu weit vor. Vorher hätte ich ihm das gesagt, nun werde ich darauf verzichten, weil ich meine volle Kraft auf den Abwehrenden lege. Versteckt trainiert wurde, das dribbeln, Tempoaufnahme des Angreifers, Finte des Angreifers.....Schwerpunkt war es nicht und deshalb kein Wort mehr dazu...halt ein andermal. So spare ich zunächst Kraft und nerven und konzentriere mich auf den Schwerpunkt und die Spieler werden das so auch tun können, was wichtig ist. ...denn wenn man sie ständig zusabbelt, hören die irgendwann wohl nicht mehr ausreichend zu.
Wie korrigiere ich als Trainer?
Hier fallen mir die Lautstärke ein. Viele Trainer schreien, weil sie entnervt sind oder gar die Einstellung haben, das ein Napoleon,- oder Magathgen was feines sind. Da unten im unteren Jugendbereich lassen sich Kinder dadurch einschüchtern und weiter oben, nehmen die einen dann schnell nicht mehr ernst.
Ferner habe ich gelernt, dass ich nicht mehr vormache, was der Spieler falsch macht. Wenn ich ehrlich bin, sehe ich diesen Punkt so nicht ein. Gesagt hat man es mir, weil ich beispielsweise beim Ballablaufen vorgemacht habe, wo der Fehler gemacht wird....zu schnell ranlaufen, um dann den langen Fuß rauszustrecken.
Das war laut Ausbilder ein NOGO, ...man zeige nur wie es richtig ist aktiv als Trainer vor...geht dann in die Übungs. oder Trainingsform und dann in die Spielform...um dann wenn Fehler dabei gemacht hat, diese zu besprechen....z.B. über ein vereinbartes STOP oder gar, indem ich den Spieler kurz rausziehe.
Was korrigiere ich?
Wurde schon weiter oben beschrieben....ebend nur das, was Trainingsschwerpunkt ist und nicht die anderen Auffälligkeiten. Die soll man sich merken und als Trainingsthema ein anderes mal bearbeiten.
Gibt es unterschiedliche pädagogisch wertvolle Ansätze beim Korrigieren?
Hier bin ich bei Horst Wein angekommen. Der beschreibt in seinem Buch, wie wichtig es ist, dass man die Synapsen im Gehirn dazu bekommt, sich zu vernetzen. Da gehts um die Entwicklung von Spielintelligenz. Er beschreibt eindrucksvoll, was im menschlichen Körper oben in der Murmel so abgeht und setzt es in Zusammenhang mit dem, was und wie es seit jahrzehnten im deutschen Fußball...insbesondere im Ausbildungsfußball abgeht. Da wird vorgegeben (mit meine Worten), statt den Spieler seine Erfahrung machen zu lassen. Er beschreibt die Altersgruppeneinteilung und auch, was denen entwicklungstechnisch möglich ist und was man im Maximun machen kann, um den Spieler zu instruieren...damit er selber in millisekunden lernt, sich auf Spielsituationen einzustellen und zwar weil er weiss, was das Beste, oder weniger gut ist....weil er die Situation erkennt und die Erfahrung hat und gespeichert hat. Genau hier machen wir Trainer -so glaube ich- viele Fehler, weil wir vorgeben und ansagen, was richtig,- und was falsch ist. Hier wird meiner Ansicht nach viel Potenzial verloren gegeben, weil wir uns zuviel reinhängen, die falschen Fragen stellen bzw. nicht über Fragen arbeiten, sondern halt vorgeben.
Das läßt sich damit vergleichen, dass ich einem Kind sage, das das erklettern des Baumes gefählich ist. Weiss das Kind nun was gemeint ist. Es kletter dennoch rauf und fällt runter. Nun weiss es was gemeint ist.
Genau diese Situation im Training spielnah zu erzeugen, über Fragen zum Problem zu kommen und passende altersgerechte Übungen dafür dann zu finden....das ist meine persönlich neue Lösung für die Zukunft. Es betrifft das Thema "Korrigieren" in großem Umpfang! Ich kann das Buch nur empfehlen.
Welchen Anteil/Stellenwert bekommt das Korrigeren/sollte es bekommen?
Entsprechend ist der Stellenwert sehr hoch, aber dosiert und die Richtung des Korrigierens verändert sich bei mir...denn ich werde mehr Fragen stellen, statt Antworten vorgeben.
Macht korrigieren Sinn/ist es immer sinnvoll?
Korrigieren macht immer Sinn, fragt sich nur, von welcher Seite ich den Gaul aufzäume. Die bekannte Richtung war das Vorgeben von Lösungen...die nur mässigen Erfolg lt. Horsti verspricht, was das Thema "Erzeugen von Spielintelligenz" angeht. Wesentlich effektiver wäre, dass man das gleiche durch Instruieren macht....wie oben beschrieben. Man sorgt dafür, dass die Synapsen langfristig gesehen sich verbinden...und so die Kompetenz des Spielers enorm steigt. Das ist ein langsamer stetiger Prozess, statt schnell und halsbrecherisch. Es findet gerade im unteren Jugendbereich über den Minifußball -also das Spielnahe Training- statt.