Natürlich wäre es schön, wenn ein Stützpunkttrainer ganz neutral arbeiten und ausschließlich Stützpunktaufgaben übernehmen könnte. Dazu würde dann nicht nur das bisher häufige Verwalten von Talenten, sondern auch das permanente Sichten von Talenten vor Ort (also bei den Punktspielen) gehören. Dadurch könnte man einigermaßen gewährleisten, das die hohen Ansprüche nach einer frühzeitigen Eliteförderung effektiver realisiert würden. Wer glaubt, er würde als ausserordentliches Talent irgendwann von allein entdeckt, der irrt. Denn ohne das Glück, den Zufall frühzeitig gefördert zu werden, wird er kaum die Möglichkeit finden, an seine Grenzen zu gelangen. Es gibt sogar Statistiken darüber, wonach die Erfolgsbestätigung durch frühe Berücksichtigungen in Auswahlteams die Wahrscheinlichkeit eines späteren erfolgreichen Fussballkarrierewegs erhöhen. Es läßt sich auch nachvollziehen, das Nichtberücksichtigung als Mißerfolg gedeutet eher dazu führt, das Talente irgendwann die Flinte ins Korn werfen.
Mir sind erfolgreich tätige Stützpunkttrainer ebenso bekannt wie solche, die zusätzlich Vereinsarbeit betreiben. Ja, selbst erfolgreiche Verbandstrainern mit einer engen Vereinsbindung sind keine Seltenheit. Und würde der DFB dies verbieten, so wäre die flächendeckene Nachwuchsförderarbeit nicht mehr sichergestellt.
Was ist also die Lösung? Man hat schon versucht, irgendwie einen Weg zu finden, indem ein Stützpunkttrainer zwar zusätzlich Vereinsmannschaften traineren darf. Die aber sollten dann in einer anderen Altersklasse spielen. Das funktioniert ein Jahr, dann aber im nächsten Jahr wieder nicht! Soll man dann den Stützpunkttrainer entlassen?
Die Lösung sollte eher die sein, eine Unabhängigkeit bei der Auswahl der Talente zu gewährleisten. Dazu müßte es eine Trennung zwischen Talentsichtung und -förderung geben. Denn wenn der Förderer sich die Talente aussuchen und die, die nicht wechseln wollen, wieder wegschicken kann, dann ist die Neutralität nicht gewährleistet.
Aus eigenen Erfahrungen kann ich allen Trainern von hoch veranlagten Talenten nur den dringenden Rat geben, sich nicht von einer Meinung eines Stützpunkttrainers beeinflussen zu lassen. Auch die hochveranlagten Talente benötigen eine gewisse Reifezeit, damit ihr körperliches Ausnahmetalent sich mit der geistigen Entwicklung, selbst frei darüber zu entscheiden zu können, was man will, vereinigt. Druck durch Trainer und Eltern wirken fast immer kontraproduktiv, weil der Spaß irgendwann auf der Strecke bleibt. Ist die Zeit für einen Wechsel reif, dann sollten die Verantwortlichen gemeinsam mit dem Kind beraten, was das Beste ist. Dazu bedarf es auch keiner Rückversicherung durch einen vermeintlichen bockigen und nicht neutralen Stützpunkttrainer. Es mag für den einen oder anderen ein Widerspruch darin liegen, das diese Entscheidung schon zeitlich zu spät wäre, um das Glück zu erzwingen. Ist sehe das nicht so, weil ich das Glück nicht darin erkennen kann, in welchem Team oder welcher Auswahl ein Kind zum Zeitpunkt X spielt, sondern wie seine Entwicklung während der gesamten Jugend- und Ausbildungszeit verläuft und ob diese im Einklang mit dem Willen des Kindes steht!