Im Leistungsfußball kann man das sicher nicht auf alle Fußballkreise beziehen. Hier muss es Unterschiede geben, zumindest sprechen Erfolge der Jugendnationalmannschaften und der NLZs eine andere Sprache. Dort wird auch ein sehr hoher personeller und finanzieller Aufwand betrieben.
Der Auswahltrainer Dietmar Harland führt als Grund an,
die Kinder sind schlecht ausgebildet!
Seine Lösung,
die Vereine müssen zusammen arbeiten!
Wenn Dietmar Harland auch den Breitenfußball meint, bin ich ganz seiner Meinung, denn da geht es mächtig bergab.
Ich selbst habe 2004 zwei Nachbarvereine versucht zur Zusammenarbeit mit uns zu bewegen. Jeder hatte ein E-Jugendteam mit ca. 10 Kindern. Der Vorschlag war, lasst uns die dreißig Kinder zusammenwürfeln und nächste Saison mit zwei D-Jugendteams als an den Start gehen. In unserem FBK ist das kein Problem. Ich hatte aus den drei Vereinen vierzehn erwachsene verantwortliche Leute am Tisch sitzen, die über die Zukunft der Kinder berieten. Welch ein Potential dachte ich! Jeder erkannte das Problem. Letztendlich haben wir total versagt! Wir haben es nicht geschafft, den Kindern eine gemeinsame Zukunft zu bieten.
Ich habe mir die Frage nach dem
WARUM gestellt.
Warum machen wir eigentlich Jugendarbeit?
- für unseren Verein
- für uns selbst
- für unser Kind
- für die Jugend
- für den Fußball
- oder ist es ein MIX?
- Ein entscheidender Aspekt ist noch, wie weit ich mich aktiv in einen Gestaltungsprozess einbringen kann/möchte.
Jeder findet sich irgendwo in den Gründen wider. Je nachdem, wie die Gründe gewichtet sind, kommt eine Zusammenarbeit für die Jugend dabei raus, oder wie in unserem Fall, eben nicht.
Zu meiner Erklärung gehört folgende Wahrnehmung:
- Die Rahmenbedingungen haben sich in unserer Luxuszeit und dem zunehmendem Fortschritt, im Gegensatz zu meiner Zeit, sehr verändert.
- Viele Kinder verhalten sich heute sehr passiv.
- Andere aggressiv oder hyperaktiv.
- Ich wage zu behaupten, dass die Kinder von heute mehrheitlich zu Konsumenten geworden sind. Aus eigenem Antrieb werden sie immer seltener aktiv.
- Wenn sie Langeweile bekommen, holen sie die TV-Fernbedienung oder setzen sich vor den Computer bzw. die Spielkonsole.
Dafür können die Kinder natürlich nichts. Sie leben von den Angeboten, die sie (von uns) vorgesetzt bekommen.
- Ich gehe davon aus, dass es in der Natur der Kinder liegt, sich bewegen zu wollen. Alle Kinder wollen Sport machen und sich beweisen.
- Ich gehe auch davon aus, dass wir viele gute Kicker unter den Kindern haben.
- Da sie die Straße nicht mehr haben, brauchen sie eine gute kindgerechte Ausbildung und Spaß, um später dann den nötigen Willen und Ehrgeiz für höhere Ziele zu entwickeln.
- Natürliche Angebote sind heute rar, man muss sie organisieren.
Ich denke, dass es in der Zukunft nur mit Zusammenarbeit geht. Sie muss allerdings auf beiden Ebenen (Leistungs- und Breitenfußball) zum Tragen kommen.
Wenn nicht, bildet sich eine Zweiklassengesellschaft und in der zweiten Klasse geht es fußballerisch noch weiter bergab. Das wird extreme Auswirkungen auf den Kreisklassenspielbetrieb im Seniorenbereich haben. Bei uns ist das heute schon deutlich zu spüren.
Dietmar Harland hat Recht, wenn er die Fähigkeiten der Spieler bemängelt. Oft wird den Kindern der Spaß am Spiel schon früh vermiest. Die Kinder werden nicht kindgerecht trainiert und oft für den Erfolg missbraucht. Die Guten werden einseitig belastet und die Schwächeren bleiben einfach draußen, Hauptsache das Spiel wird gewonnen.
Die Quittung ist laut einer Studie der Uni Landau/Koblenz (Dr. Rainer Theis) von 2009, dass das Drop Out Problem schon in der E-Jugend angekommen ist.
Also, ich denke, dass für den Spitzenfußball ausreichend gesorgt ist. Der Breitenfußball muss sich selbst helfen. Hier sind die Vereine und Trainer gefordert die Hilfs- und Ausbildungsangebote der Verbände anzunehmen. An dieser Stelle hilft kein Hilfeschrei zu „denen nach oben“. „Die da oben“, bringen den Kindern das Fußballspielen nicht bei, das müssen wir schon selbst machen.
Grüße Ralf
PS: Dieses Thema ist sehr komplex und sehr schwierig, aber für den (Jugend-) Fußball elementar wichtig.
Hier müssen wir alle ran!