Die hier vorgestellten Übungen sind sehr gut, da sich aufgrund der Intensität Bewegungsabläufe verfestigen, die auch im Spiel benötigt werden. Daher sollte man, wie bereits geschrieben, die Übung sofort unterbrechen, wenn es zu statisch wird. Auch bei diesen Übungen gilt jedoch, dass ich die Voraussetzungen zum gewünschten Lernerfolg schaffe. Es bringt nichts, einfach mal eine Übung rauspicken weil sie so toll aussieht. In Spielen der G-E und teilweise auch noch D-Jugend sieht man oft folgende Verhaltensweise: Stürmer dribbelt auf den Verteidiger zu. Der wartet.. und wartet.. und wartet.. und irgendwann entweder aus eigenem Entschluss ( was schon mal positiv wäre ) oder aber nach Zuruf von außen greift er dann an. Hier geht es also darum
Wer greift an und
Wann greift er an.
In der jüngeren F habe ich folgende recht simple Übung gemacht, bei der die Jungs durch eigenständiges Handeln erlernen, dass
ich ( und nicht Paul oder Oskar, die 10 Meter entfernt stehen ) angreifen muss und wann: Ein Tor, davor in 10 Meter Entfernung ein Verteidiger. Diese Position am Rand markieren, damit er sich immer wieder orientieren kann ( bevor Einwände kommen

: eigenständiges Stellungsspiel ist hier wurscht. Er soll sich auf etwas anderes konzentrieren ) Dann in einiger Entfernung ebenfalls mit Hütchen markiert die Angreifer mit Ball ( dahinter noch ein Quadrat mit Hütchenwald oder einen Parcours, damit alle immer beschäftigt sind). Los gehts. A(ngreifer) kommt auf V(erteidiger) zu. Das Wichtigste ist jetzt, nicht das leiseste Tönchen entfleucht den Trainerlippen

Und erst recht nicht den beobachtenden Vätern. Bei erstmaliger Durchführung wird man feststellen, dass die Spieler hilfesuchend den Trainer anschauen. Da ist dann Pokerface angesagt. V muss jetzt ganz für sich entscheiden, wann er angreift. Das wer kommt später. Die Stelle an der V den A angreift mit einem Hütchen markieren. Nach zwei bis drei Angreifern kurz unterbrechen und V die Entfernung des Starterhütchens der Angreifer und seines ersten Kontaktes zum Stürmer zeigen. Dann ihn durch Fragestellung zur Erkenntnis bringen, dass es ungefährlicher für das eigene Tor ist, wenn man frühzeitig attackiert. Der Lernerfolg stellt sich sehr schnell ein und er hat das
Wann verinnerlicht ( andieser Stelle schon der Hinweis, dass bei Balleroberung eine Anschlussaktion erfolgen sollte,z.B. dribbeln durch zwei mögliche Hütchentore an den Seiten).
Kommen wir zum
Wer. Jetzt zwei Verteidiger. Gleiche Höhe aber einer mehr auf der linken Seite und einer mehr auf der rechten. Den Abstand zwischen ihnen zu Anfang nicht zu kurz, dass macht es ihnen leichter. Den Angreifern sagen, dass sie gleich beim Starten deutlich einen von den beiden Verteidigern andribbeln sollen. Hier lernen sie, dass
ich nun den Stürmer angreifen muss und nicht Oskar, der ein paar Meter neben mir steht. Auch wichtig: Wenn Oskar beim Abwehrversuch seines Mannschaftkameraden selbstständig in die Mitte zieht und diese dicht macht, sofortiges Trainerlob

Nach einigen Durchgängen sollen die Angreifer erst sehr spät einen Verteidiger andribbeln und die Abstände zwischen den Verteidigern verkürzen. Auch hier wieder kein Ton und Gesichtsstarre beim Trainer. Das wäre das
Wer.
Nun ist das
Wie an der Reihe. Wie schon geschrieben seitliche Fußstellung, Kniee und Oberkörper leicht gebeugt sowie Körperspannung. Und in dieser Stellung dann rückwärts das Tempo des Angreifers zunächst aufnehmen und dann verlangsamen. Hört sich kompliziert an? Eben. Ist es auch. Erst recht für 7-8jährige. Da sind die koordinativen Unterschiede innerhalb einer Truppe enorm. Also eins nach dem anderen. Eine Reihe bilden und dann in dieser Abwehrstellung rückwärts tippeln. Die meisten Spieler hüpfen zu Anfang und halten so die Fußstellung nicht ein. Übung macht hier den Meister. Dann Fußwechsel und weiter gehts. Später in dieser Stellung seitlich rückwärts links und seitlich rückwärts rechts üben. Das vor jedem Training 5min über einen längeren Zeitraum. Nicht zu schnell zu viel verlangen. Später habe ich mit meinen Jungs eine Übung aus dem American Football gemacht und leicht abgeändert. Die Spieler versetzt in drei oder vier Reihen mit Blick zum Trainer. Alle in Abwehrstellung. Auch der Trainer. Der gibt die Richtung vor: Tippelt er nach vorn, tippelt die Truppe geschlossen nach hinten. Trainer nach rechts, die Truppe ( von sich aus gesehen ) nach links usw. Auf Kommando Fußwechsel. Auf Kommando 1x klatschen, 2x klatschen....Auf Kommando ein Schlachtruf usw. usw. Am Ende lässt sich der Trainer erschöpft fallen und die Jungs haben gewonnen. Übrigens brauchte ich nie nur so tun, als wäre ich erschöpft
Zu einem späteren Zeitpunkt kann dann das Erlernen des Anlaufens erfolgen. Ich habe dabei der Truppe vermittelt, dem Angreifer die ballabgewandte Seite zu öffnen. Sprich Rechtsfuß nach links drängen und Linksfuß nach rechts, sodass er gezwungen wird, mit dem schwächeren Fuß zu dribbeln ( ab spätere D oder eher C erfolgt dann zusätzlich das taktische Anlaufen in Verbindung mit Doppeln). Und wenn das alles sitzt, sind die hier genannten Übungen richtig gut, um dieses Verhalten in spielnahen Situationen zu verinnerlichen und bestenfalls zu automatisieren.
Ich hoffe an dieser Stelle sind noch alle wach

Warum schreibe ich das hier so ausführlich? Nachdem ich darum gebeten wurde, gebe ich zur Zeit Betreuern unseres Vereins Hilfestellung bezüglich des Trainings. Zunächst war es nur einer, jetzt sind es mir mittlerweile aus Zeitgründen fast zu viele ( womit ich wieder beim Nein-sagen-können wäre

). Da geht es teilweise um banale Dinge wie Trainingsorganisation. Gerade für Neueinsteiger sehr wichtig. Bei manchen ist der Stressfaktor bereits zu Beginn sehr hoch. Änderung des Aufbaus und Regeln für die Kinder schaffen hier deutlich Linderung

Aber es geht eben auch um Trainingsmethodik. Und hier liegt die Hauptursache eindeutig darin, dass zu viel zu schnell gewollt wird!!! Hochkomplexe Übungen, die Mangels entsprechender Vorbereitung der Spieler zum Scheitern verurteilt sind. Da zweifelt dann der ein oder andere Trainerkollege an seinen Jungs ( warum klappt diese Übung denn nicht?) oder an sich und man ist kurz vorm Hinschmeissen. Ich versuche ihnen zu vermitteln: Ich habe einen bestimmten Schwerpunkt bzw. ein bestimmtes Ziel. Ich lege einen bestimmten flexiblen Zeitrahmen fest und überlege mir dann wie ich Step-by-Step zu diesem Ziel komme. Das wars auch schon. Nicht wahllos Übungen durchziehen, nur weil die toll aussehen. Wollte ich nur mal dem einen oder anderen mitlesenden Neueinsteiger mitgeben. Einfach auch mal Schritte zurück gehen, wenns nicht so klappt. Ist keine Schande sondern zeugt von Weitsicht.
In diesem Sinne. Wünsche allen ein schönes und erfolgreiches Wochende. Okay, okay. Mit Erfolgreich meinte ich jetzt nur ab D