Ich schrieb ja auch, dass ich den Tannenbaum (oder die gleiche Übung mit anderem Aufbau) durchaus auch mal in meinem Training benutze.
Ja, wie ich auch verwendest du ihn nach eigener Aussage "gelegentlich".
Nur wollte ich anmerken, dass diese Übung in meinen Augen eigentlich nur das Ziel erreicht, die Ballführung/das Ballgefühl zu verbessern.
Richtig, das sehe ich ja auch so. Aber während du der Übung gegenüber eine eher kritische Haltung einnimmst, kann ich ihr durchaus Positives abgewinnen. Ich fühlte mich zu meiner Erwiderung auf dein Posting dadurch aufgefordert, dass du im Verlauf deines Beitrags, wie es mir schien, immer härter mit dem Tannenbaum ins Gericht gingst, am Ende kam eher rüber, dass die Übung ziemlich ungeeignet sei. Das wollte ich etwas relativieren.
Den Schwerpunkt offensives 1gg1 bediene ich damit wenig, ganz gleich wieviele Finten ich trainieren lasse und wieviel Zeit ich dafür verwende. Die SPieler können dann zwar den Bewegungsablauf der FInten, die B-Note ist hervorragend, aber sie kommen trotzdem kaum am Gegner vorbei.
Ich würde den Tannenbaum auch selbst weniger für das Training von Finten als für Übungen des Richtungswechsels verwenden, konkret bei mir also im Moment den Satz an "Change-of-Direction"-Moves des Coerver-Programms. Das sind dann keine Finten, sondern Richtungswechsel. Diese haben zwar auch zum Ziel, den Gegner abzuschütteln und können daher nur dann effektiv sein, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt erfolgen, präzise ausgeführt werden und wenn eine schnellen Anschlussaktion folgt. Ich bin ganz deiner Meinung, dass zu einer tatsächlich gut ausgeführten Finte mehr gehört als nur die richtige Bewegung der Beine. Und der echte Test der Finte oder des Richtungswechsels kann nicht im Tannenbaum erfolgen, da fehlt, wie du richtigerweise anmerkst, der Gegnerdruck. Aber die Kids müssen ja erst einmal die Bewegung ohne und mit geringem Gegnerdruck erlernen, sonst werden sie die Finte oder den Richtungswechsel nie gut genug beherrschen, um sie auch unter hohem Gegnerdruck erfolgreich, d.h. ohne Ballverlust, anwenden zu können.
Lieber 1-2 Finten richtig und gut können (also mit ganzem Körper, den Armen, etc.) als möglichst elegant aussehend 10 verschiedene, die der Spieler aber nicht zielführend benutzen kann.
Ja, ich finde auch, dass eine Finte erst dann 'sitzt', wenn mit ihr der Gegner erfolgreich getäuscht wird. Bei besser werdenden Gegnern wird dazu zunehmend der Einsatz des ganzen Körpers benötigt. Die Kids müssen aber nach und nach erst dahin kommen.
Und um die Ballbeherrschung etc. zu verbessern, eignen sich meiner Meinung nach Übungen, wie folgende besser:
- kleines Viereck, alle Spieler einen Ball und dann kreuz und quer dribbeln, durchaus mit bestimmten Anweisungen, besser. Man muss immerhin schauen, wo man hin dribbelt, die Übung ist weit weniger monoton, da auch die Hindernisse sich bewegen. Ist zwar wahrscheinlich ne uralt Übung und sieht nicht so spektakulär aus, erfüllt aber absolut den Zweck.
Diese Übung mache ich auch, da sie deutlich weniger aufwendig im Aufbau ist, ist sie sogar deutlich bequemer als der Tannenbaum. Für weniger monoton halte ich sie indes nach der Beobachtung meiner E-Junioren nicht. Naja, vielleicht hat das weniger mit Monotonie zu tun. Ich beobachte jedenfalls, dass es ein paar bequemere Spieler gibt, die dazu neigen, bei der Übung in der Gruppe im Engagement recht schnell herunter zu schalten und sich die entlegeneren Ecken des Übungsfeldes zu suchen. Dieses Phänomen ist in freieren Übungen stärker zu beobachten als in solchen mit einer größeren Anzahl an Orientierungspunkten. Soll heißen: ein Tannenbaum muss durchlaufen werden, nach jedem Hütchen hat der Spieler gleich das nächste Ziel in Form des nächsten Hütchens vor Augen, und er muss den Parcours durchlaufen, da ist ein festes Ziel vorhanden. Wenn die Spieler hingegen einfach nur wild durcheinander dribbeln, fehlt das Ziel, wenn sie nun langsamer dribbeln und dabei ins Gehen verfallen, wird es einfacher, der Ball ist leichter zu spielen und fliegt auch nicht so oft weg. Dabei verspüren sie als Übende auch keine unmittelbaren Nachteile. Und sie haben auch kein Ziel, an dem sie sich messen können. In der Folge beobachte ich, dass solche Übungen bei typischen Breitensportmannschaften unheimlich schnell an Tempo einbüßen. Bei talentierteren Spielern, die von sich aus Spaß an ihren technischen Fähigkeiten haben, sehen sie hingegen oft sehr schick aus, keine Frage.